Frühe Hilfen
für Kinder und Familien

Soziale Frühwarnsysteme
in Nordrhein-Westfalen

____________________

Aktuelles

Servicestelle zum 31.12.2009 eingestellt.

Die Servicestelle hat Ihr Beratungsangebot zum 31.12.2009 eingestellt. Die Tagungsdokumentation zur Abschlussveranstaltung am 26.3.2010 findet sich hier.

______________________

Tagungsdokumentation

Die Vorträge und Thesenpapiere der Foren des Kongresses "Frühe Hilfen" am 26.3.2010 in Duisburg können jetzt herunter geladen werden.

[zur Tagungsdoku...]

______________________

Fachtag Elternbesuchdienste

am 26.05.2010 in Köln
Umsetzung und Perspektiven in Nordrhein-Westfalen“
Aufgrund der großen Nachfrage sind weitere Anmeldungen möglich.

[zur Anmeldung...]

Kinderschutz: Land fördert landesweiten Ausbau der Sozialen Frühwarnsysteme

Das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration teilt mit:

Mit neuen Ansätzen will die Landesregierung den Kinderschutz in Nordrhein-Westfalen weiter verbessern. Dies erklärte heute (27. August 2007) Familienminister Armin Laschet in Düsseldorf. "Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte", so Minister Laschet. "Wir haben in Nordrhein-Westfalen schon vieles für die Verbesserung des Kinderschutzes erreicht, trotzdem hat es Fälle von Vernachlässigung und Verwahrlosung gegeben - zuletzt in Iserlohn, Gelsenkirchen und Essen. Dies zeigt, wir haben weiteren Handlungsbedarf. Das vorbildliche System der Sozialen Frühwarnsysteme wird landesweit ausgedehnt. Die Landesregierung unterstützt dies mit einer Anschubfinanzierung. Das Risikomanagement der Fachkräfte vor Ort wird verbessert." Weitere neue Impulse und Analysen sollen eine umfassende Studie zu Kindern in Not und die Expertenkommission zum Kinderschutz liefern.

"Zum Jahresbeginn hat die Landesregierung ein Handlungskonzept für einen besseren Kinderschutz verabschiedet, mit deren Umsetzung wir auf einem guten Weg sind. Jetzt geht es um weitere, neue Ansätze, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den beteiligten Jugendämtern mit Hilfsangeboten befähigen, frühzeitiger ersten Hinweisen auf eine mögliche Vernachlässigung nachzugehen und Anleitungen für ein rechtzeitiges und gezieltes Eingreifen zu geben", sagte Minister Laschet. "Wir brauchen ein frühzeitiges Wahrnehmen, ein rechtzeitiges Warnen und ein schnelles und zielgerichtetes Handeln, um den Kinderschutz sicherzustellen."

Seit Jahren steigt das Ausmaß von Kindeswohlgefährdungen. Einige Zahlen:

* Die Anzeigen bei Vernachlässigung und Misshandlung haben sich nach polizeilicher Kriminalstatistik seit 1990 beinahe verdreifacht (Kinder bis sechs Jahre: 1990: 600 und 2005: 1.445; Kinder bis 14 Jahre: 1990: 1.377 und 2005: 3.377).
* Die Zahl der Fälle, in denen die Jugendämter gefährdete Kinder zu ihrem eigenen Schutz in Obhut nehmen mussten, stieg von 1995 bis 2005 um 40 Prozent (Statistisches Bundesamt).
* Im Jahr 2005 bewilligten die Jugendbehörden rund 40.000 überforderten Eltern mit Kindern unter sechs Jahren "Familienunterstützende Maßnahmen".
* Bei Kindern unter drei Jahren entziehen die Familiengerichte jedes Jahr in rund 2.200 Fällen das elterliche Sorgerecht.
* Auch der Bedarf der Eltern, die Hilfen zur Erziehung (HzE) benötigen, macht das Ausmaß an Hilfebedarf deutlich. Die aktuellsten Zahlen für Nordrhein-Westfalen stammen aus dem Jahr 2004: Die Fälle von Hilfen zur Erziehung sind dem langjährigen Trend folgend weiter angestiegen. Insgesamt wurden 162.558 Hilfen (einschließlich der Hilfen für junge Volljährige) gewährt. Im Jahr 2003 lag das Fallzahlvolumen noch bei 155.977 Fällen. Das ist ein Anstieg um 4,2 Prozent.

Laschet: "Die Jugendämter haben aus den tragischen Fällen gelernt. Sie haben neue Wege beschritten und die Früherkennung intensiviert. Einen Ansatz, der aus einem Modellversuch in Herne resultiert, wollen wir aufgreifen und das Risikomanagement verbessern." Im Mittelpunkt steht dabei die handelnde Fachkraft vor Ort, die, wenn sie einen Fall von Vernachlässigung oder Verwahrlosung wahrnimmt, sofort Kooperationspartner warnt und wirkungsvolle Lösungsansätze einleitet. Das reicht von Gesprächen mit den Eltern, über die Hinzuziehung des öffentlichen Gesundheitsdienstes bis hin zur Herausnahme des Kindes aus der Familie. Laschet: "Dazu müssen die Fachkräfte gut geschult sein und möglichst viele wirksame Maßnahmen kennen und gemeinsam mit Kooperationspartnern anwenden können. Deshalb beginnen wir noch in diesem Jahr gemeinsam mit den Landesjugendämtern ein Modellprojekt für das Risikomanagement", für das Haushaltsmittel bereitgestellt werden.

Darüber hinaus wird das bereits bestehende Angebot der Sozialen Frühwarnsysteme flächendeckend in allen Kommunen eingeführt. Das Konzept der Sozialen Frühwarnsysteme zur Früherkennung einer Kindeswohlgefährdung ist inzwischen zu einem aufeinander abgestimmten Handlungspaket weiter entwickelt worden. Die Angebote reichen von der Unterstützung während der Schwangerschaft und Geburt, über die ersten Lebensjahre des Kindes bis hin zu Kindergarten- oder Schulkindern.

Ziel der Sozialen Frühwarnsysteme ist die systematische Verzahnung von Gesundheits-, Kinder- und Jugendhilfe. Netzwerke dieser beiden Hilfesysteme müssen noch weiter ausgebaut werden. Dies sind zum Beispiel Kooperationen mit Geburtskliniken, Ärzten, Hebammen und der Kinder- und Jugendhilfe. Weitere Kooperationen mit dem Bildungswesen, der Polizei, Justiz und dem sozialen Bereich (z.B. Sucht- und Drogenberatung) sind ebenfalls erforderlich.

Das Land fördert bereits eine Servicestelle, angesiedelt beim Institut für Soziale Arbeit in Münster (ISA), die die Städte und Gemeinden bei der Entwicklung und Weiterentwicklung sozialer Frühwarnsysteme unterstützt. Jetzt kommt eine Anschubfinanzierung durch das Land hinzu, damit noch in diesem Jahr der flächendeckende Ausbau der Sozialen Frühwarnsysteme in Nordrhein-Westfalen starten kann. Hierfür wird eine differenzierte Finanzierung zur Verfügung gestellt, die sich an der Anzahl der Kinder von 0 bis einschließlich 6 Jahren pro Jugendamtsbezirk orientiert sowie mit einem Zusatzbetrag pro "Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf" ergänzt wird. Dadurch sollen alle Kommunen in die Lage versetzt werden, lokale Präventionsstrategien und Handlungsansätze aufzubauen bzw. weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht dabei die Kompetenz, Risikolagen zu erkennen sowie schnell und effektiv darauf zu reagieren.

Laschet: "Das Bundesfamilienministerium schätzt, dass bis zu 5 bis 10 Prozent aller Kinder im Alter bis sechs Jahre vernachlässigt werden. Das wären in Nordrhein-Westfalen zwischen 45.000 und 90.000 Kinder. Es fehlt bislang aber eine systematische wissenschaftliche Erhebung zum Ausmaß von Risikolagen von Kindern. Das wollen wir für Nordrhein-Westfalen erreichen. Zwar sind in einzelnen Kommunen Untersuchungsergebnisse vorhanden, diese reichen aber nicht aus, um einen umfangreichen Einblick in die Gefährdungssituationen zu geben. Wir werden deshalb eine Studie 'Kinder in Not' ausschreiben." Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Jugendamtsleitern und Experten aus der Kinderschutzarbeit wurde ein Konzept für die Studie entwickelt. Die Studie soll danach folgende Bereiche umfassen:

1. Ausmaß und Umfang von Risikolagen von Kindern in Nordrhein-Westfalen
2. Riskante Lebenssituationen von Kindern
3. Art und Umfang von Kindeswohlgefährdungen
4. Sozialstrukturelle Risikoverstärker (Rahmenbedingungen im Stadtteil / in der Region)
5. Praxisrelevante Entwicklungen zur Minderung des Gefährdungsrisikos (z. B. Soziale Frühwarnsysteme in NRW)
6. Entwicklung von Standards interdisziplinären Handelns zur Früherkennung und frühen Hilfe für Familien und Kindern in riskanten Lebenssituationen.

"Auch die Familienzentren sind ein wichtiges Instrument der Früherkennung und Hilfe, wie eine erste Auswertung der Angebote der 260 zertifizierten Familienzentren zeigt", so Minister Laschet. Beinahe alle Familienzentren (78 Prozent) halten ein niedrigschwelliges Angebot der Beratung und Unterstützung von Kindern und Familien vor. Weitere wichtige Angebote sind die Familienbildung und Angebote der Erziehungspartnerschaft, Unterstützung bei der Suche nach einer qualifizierten Kindertagespflege und damit die Erleichterung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Beinahe 88 Prozent der Familienzentren richten ihre Angebote nach dem besonderen Bedarf des Umfeldes aus. Fast alle (95 Prozent) kooperieren mit lokalen Partnern und sorgen dafür, dass die Angebote des Familienzentrums bekannt sind. Ebenso ist den Familienzentren die Weiterentwicklung ihres Konzepts und ihrer Leistungen wichtig. Deshalb gibt es seit dem 1. August knapp 1.000 Familienzentren in Nordrhein-Westfalen, für die in 2008 rund 16,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Minister Laschet: "Auch im künftigen Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern (KiBiz) ist der Kinderschutz gesetzlich verankert. Wir verpflichten darin die Kindertageseinrichtungen zur Gesundheitsvorsorge. Bei Vorliegen gewichtiger Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung sind die Eltern frühzeitig zu informieren und geeignete Hilfen zu vermitteln. Bei fortbestehender Gefährdung muss das Jugendamt entsprechend informiert werden." Das Jugendamt soll zukünftig mit den für die Durchführung ärztlicher und zahnärztlicher Vorsorgeuntersuchungen zuständigen Stellen zusammenarbeiten und hat für jährliche ärztliche und zahnärztliche Untersuchungen der Kinder in den Tageseinrichtungen Sorge zu tragen.

Entnommen der Internetseite des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration

Den Orginaltext finden Sie <<hier>>.