Frühe Hilfen
für Kinder und Familien

Soziale Frühwarnsysteme
in Nordrhein-Westfalen

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Aktuelles

Servicestelle zum 31.12.2009 eingestellt.

Die Servicestelle hat Ihr Beratungsangebot zum 31.12.2009 eingestellt. Die Tagungsdokumentation zur Abschlussveranstaltung am 26.3.2010 findet sich hier.

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Tagungsdokumentation

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Fachtag Elternbesuchdienste

am 26.05.2010 in Köln
Umsetzung und Perspektiven in Nordrhein-Westfalen“
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Netzwerk für Probleme


VON STEFANIE JOOSS, 31.01.07, 19:32h

Ärzten und Hebammen sollen ein Netzwerk bilden und auf Problemfälle aufmerksam machen.

Overath - Ein soziales Frühwarnsystem soll in Overath verhindern, dass Kinder in ihren Familien vernachlässigt oder misshandelt werden. Darauf einigten sich am Dienstag die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Drei Gruppen stehen im Blickfeld: Schwangere, Mütter unter 23 Jahren und Kinder unter drei Jahren. Besonders Säuglinge werden laut Statistik Opfer von tödlichen Misshandlungen. Mit zunehmendem Alter sinkt dieses Risiko.

Vorausgegangen war den Beratungen über ein Frühwarnsystem eine Informationsveranstaltung mit Fachleuten. Christa Höher-Pfeifer vom Institut für soziale Arbeit in Münster erläuterte ein Modellprojekt des Landes, das von 2001 bis 2004 erprobt wurde. Wie ein Rauchmelder müsse ein Frühwarnsystem bei Abweichungen von der Normalität Alarm schlagen, erklärte sie. Diese Rauchmelder sollen in Overath Hebammen, Gynäkologen, Kinderärzte und Erzieherinnen in Kindertagesstätten sein. Unter den Berufsgruppen soll ein verbindliches Netzwerk aufgebaut werden. Werden sie auf Probleme aufmerksam, wenden sie sich an das Jugendamt, die zentrale Koordinationsstelle. Das Amt könne bei Problemen dann gezielt Kontakt mit der Familie aufnehmen, erklärte der Beigeordnete Bernd Sassenhof. Reinhild Hartmann wird das Netzwerk koordinieren. Um fünf Stunden wurde ihre Stelle dafür aufgestockt. Zusätzlich will das Jugendamt offensiver vorgehen und bei möglichen Problemfällen den Familien auch direkt Hausbesuche abstatten.

„Die Fallzahlen in der Kinder- und Jugendhilfe nehmen zu“, sagte Jugendamtsleiter Herbert Rijntjes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Fälle würden zudem immer schwieriger. „In der Regel schaffen wir es, die Eltern ohne Kindesentzug davon zu überzeugen, dass sie Hilfe brauchen.“ In sieben Fällen hat das Jugendamt Overath im vergangenen Jahr Kinder aus der Familie nehmen müssen.

Die Schwierigkeit, Schwellenwerte festzulegen, erläuterte Höher-Pfeifer am Beispiel einer Ampel: Viele Probleme würden erst dann erkannt, wenn sie von Gelb auf Rot springt, also akute Gefahr für das Kind besteht. Ein funktionierendes Frühwarnsystem muss bereits dann greifen, wenn sich Probleme anbahnen, also die Ampel von Grün auf Gelb wechselt. Ein Allheilmittel sei das Frühwarnsystem nicht, sagte die ISA-Mitarbeiterin. „Es kann nicht alles erfassen.“ Der SPD-Fraktion gingen die von Höher-Pfeifer erläuterten Maßnahmen nicht weit genug. Ihr Antrag, allen Eltern nach der Geburt ihres Kindes einen Besuch durch das Jugendamt abzustatten, wurde im Dezember im Ausschuss abgelehnt. Er war der Auslöser für die Beratung über ein Frühwarnsystem.

Heribert Schüller, Familienrichter am Amtsgericht Bergisch Gladbach, riet von einer Art Überwachung der Familien ab. „Die Nachbarschaft ist der beste Rauchmelder“, sagte er. Doch gerade Familien, in denen Kinder vernachlässigt werden, sind häufig sozial isoliert. „Menschen schaffen es überall, Nischen zu bauen“, meint dazu Jugendamtsleiter Rijntjes - auch in einer relativ kleinen Stadt wie Overath. In Overath kämen in rund einem Drittel aller Fälle die Eltern bei Problemen von sich aus auf das Jugendamt zu, sagte er. In weiteren 30 Prozent der Fälle machen Schule oder Kindergarten das Amt aufmerksam. 13 Prozent der Hinweise auf Missstände in Familien geben Nachbarn ans Jugendamt weiter.

Den Orginaltext finden Sie <<hier>>.