Frühe Hilfen
für Kinder und Familien

Soziale Frühwarnsysteme
in Nordrhein-Westfalen

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Aktuelles

Servicestelle zum 31.12.2009 eingestellt.

Die Servicestelle hat Ihr Beratungsangebot zum 31.12.2009 eingestellt. Die Tagungsdokumentation zur Abschlussveranstaltung am 26.3.2010 findet sich hier.

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Tagungsdokumentation

Die Vorträge und Thesenpapiere der Foren des Kongresses "Frühe Hilfen" am 26.3.2010 in Duisburg können jetzt herunter geladen werden.

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Fachtag Elternbesuchdienste

am 26.05.2010 in Köln
Umsetzung und Perspektiven in Nordrhein-Westfalen“
Aufgrund der großen Nachfrage sind weitere Anmeldungen möglich.

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Ein Lebensrisiko bleibt Frühwarnsystem ausbauen

Aber: "Unser System ist so angelegt, dass so etwas wie in Bremen nicht passiert." Sagt Markus Hackethal von der Fachabteilung Jugend, Familie und Soziales. Der Grund: Stadtteilorientierte Sozialarbeit seit 1992

"Natürlich löst der Tod des kleinen Kevin in Bremen auch bei uns tiefe Betroffenheit aus. Das ist ein menschliches Drama, bei dem man sich schon fragt, wie es so weit kommen konnte." Markus Hackethal (44), stellv. Leiter der Fachabteilung Jugend, Familie und Soziales, ist weit davon entfernt, Schuldzuweisungen zu machen. Vielmehr biete dieses traurige Schicksal Anlass, darüber nachzudenken, "ob es in Velbert so läuft, wie wir es haben möchten", oder ob man Dinge optimieren könne.

Die Schlossstadt hat nach Ansicht Hackethals einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Städten: "Hier gibt es seit 1992 stadtteilorientierte Sozialarbeit." Die Büros, sieben an der Zahl, sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. Mit im Boot sind das Diakonische Werk, der SKFM und die AWo. "Die Bevölkerung kennt die Akteure, man tauscht sich aus, Probleme werden schnell erkannt", so Hackethal. Diese Zentren vor Ort seien somit einerseits eine "Drehscheibe für Bedürfnisse", nähmen andererseits aber auch eine Wächterfunktion wahr. Jeder Fremdmeldung, sei sie noch so nebulös und anonym, werde nachgegangen.

Gleichzeitig stünde die Fachabteilung in engem Kontakt zum Klinikum Niederberg. Wenn bei Kindern irgendetwas auffällig sei, "gehen wir der Sache sofort nach", sagt der stellv. Fachabteilungsleiter. Das habe sich in der Vergangenheit als sehr wirksam erwiesen. "Unser System ist so angelegt, dass so etwas wie in Bremen nicht passiert", erklärt Hackethal, fügt jedoch augenblicklich hinzu: "Die beste Organisation kann so etwas nicht verhindern." Denn ein Lebensrisiko bleibe immer.
Auch in Velbert gibt es nach Aussage Hackethals Vernachlässigungen - wenn auch nicht so gravierend wie in Großstädten. In dem Fall wird den Eltern eine Kooperation angeboten, die mit einer niederschwelligen Erziehungsberatung beginne und unter Umständen mit einer Hilfe zur Erziehung fortgesetzt werde. "Dann gehen Fachkräfte in die Wohnungen und unterrichten die Eltern." Hilft auch das nicht, kommt nur noch eine außerfamiliäre Unterbringung in Betracht - möglichst in einer Pflegefamilie, in letzter Konsequenz aber auch in einem Heim. Zwei dieser Heime gibt in Velbert, eins in kommunaler, ein weiteres in konfessioneller Trägerschaft.

Rund 80 Kinder stehen derzeit unter Vormundschaft bzw. Pflegschaft der Stadt, der Diakonie und des SKFM. Sie sind bei ihren Eltern, bei Pflegeeltern und im Heim untergebracht. Darunter sind auch Kinder, die bei ihren von "weichen" Drogen abhängigen Eltern leben. Hackethal: "Auf die haben wir ein besonders waches Auge." Die Eltern befänden sich in einer Therapie und die Kinder würden unter keinen Umständen als Motivator missbraucht.

Auch in Velbert sei die soziale Situation wegen sich häufender Insolvenzen nicht mehr so rosig wie noch vor einigen Jahren. Hackethal: "Wir müssen uns Gedanken machen." Dennoch ist der stellv. Fachabteilungsleiter der Ansicht, dass sich die Schlossstadt "noch in einem Maß bewegt, das gut akzeptabel ist." ho Markus Hackethal möchte das Frühwarnsystem und damit die Prävention ausbauen. Er denkt an eine stärkere Kooperation mit den Ärzten. "Wären die U-Untersuchungen verpflichtend, könnten wir Hilfe anbieten, bevor der Druck aufseiten der Eltern zu groß wird. Wir wären einfach schneller am Ball" Auch hält der stellv. Leiter der Fachabteilung Jugend, Familie und Soziales einen frühen Erstkontakt für ausgesprochen sinnvoll. Wie in anderen Städten könnte man auch hier junge Mütter besuchen und ihnen Hilfestellung in den ersten Tagen nach der Geburt offerieren.


13.10.2006
Den Orginalartikel finden Sie <<hier>>